12. April 1973
Innsbruck

 

Ausstellungseröffnung durch DOZ. DR. ALFRED FOCKE S.J.

Hermann PEDIT studierte an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Sergius Pauser und Fritz Wotruba. Reisen führten ihn durch fast ganz Europa, dessen Länder mit ihrer Natur und Kultur ihn lebhaft interessierten, die er eingehend studierte. Dabei hat er immer eine Vorliebe für die großen Meister der abendländischen Malerei, im besonderen der Renaissance und des Barock und für östliche Philosophie, vor allem Laotse, gepflegt, wiederum untermauert durch ernste Auseinandersetzung im beständigen Lesen.

Daher, aus diesen kurzen biographischen Hinweisen, ergeben sich auch die Charakteristika seiner Malerei. Das handwerkliche Können ist Grundvoraussetzung. Man muß die Bilder genau betrachten. Sie scheinen nur auf den ersten Blick wie hingeworfene Gefühlsimpressionen und -expressionen, in ihrer kräftigen, oft emotionsgelandenen Pinselführung. Doch bei genauerem Hinsehen erweisen sie sich als subtile handwerkliche Arbeit, die sich mit großer Geduld in Detail vertieft. Pastos expressiver Farbauftrag ist selten. Es ist eine Lasurtechnik, die von den großen Meistern gelernt wurde und die stellenweise mehrere Schichten übereinander legt und Farbdifferenzierungen erreicht, die sich nur einem Versenken in diese Details eröffnen. Trotzdem bleibt der Charakter einer Bildeinheit gewahrt.

Es sind vorwiegend Landschaften. Von seinem Geburtsort her - Lienz in Osttirol - und von seinen Reisen hat Pedit eine starke Bindung zur Natur. Zu diesen Landschaften gehören selbstverständlich auch das menschliche Antlitz und der menschliche Akt. Diese Natur nimmt er in sich auf und versucht sie zu einer Landschaft menschlicher Erlebniswelt umzugestalten, jedoch ohne die Natur gänzlich aus dem Auge zu verlieren, sie wird nie in nur innere Erlebnisse aufgelöst, sondern behält eine Kontrollfunktion für diese innere Welt. Nie verliert er sich in einen "bigotten Solipsismus" - einen Ausdruck, den Oswald Wiener in seinem Roman "Die Verbesserung von Mitteleuropa" gebraucht - , der nur innere Monologe inszeniert und sie dann als Rätsel dem Betrachter vorstellt, der dann entweder hineinlegen kann, was ihm beliebt oder entakademische Proklamationen studieren muß, um eine solche Bildwelt zu verstehen, wie wir das ja heute oft genug antreffen. Durch diese Kontrolle von seiten der Natur, die bei Pedit als solche zu erkennen ist, bleibt eine gewisse verbindliche Objektivität und Mitteilbarkeit gewahrt.

Dazu kommt noch ein geistiges Element: Diese erlebnishafte Gestaltung der Landschaften, wohl von einer subjektiven Gefühlswelt her, wird auch deswegen nicht zum narzistischem Subjektivismus eines inneren Monologes, weil sie einer Geisteswelt verpflichtet ist, die ebenfalls eine Synthese zum Gesamtmenschlichen hin anstrebt. Hier dürfte wohl die Beschäftigung mit der östlichen Geistigkeit von Bedeutung sein. Die Landschaft, die Natur wird in menschlichen Geist verwandelt, transzendiert das Naturalistische und wird so menschliche Landschaft, vom Menschen aufgenommen und gestaltete Natur, eine "transzendente Landschaft", subjektiv und objektiv zugleich, von einem Menschen, der sich nie aus ihr oder in ihr verliert, vielmehr dem Wandel der Natur vom Geist her Dauer zu verleihen versucht und im Gegenspiel von Natur und menschlicher Geisteswelt wiederum eine Synthese anstrebt. An den beiden Graphiken des toten Vogels und des Pferdeschädels erahnt man den Ausgangspunkt dieses Bemühens um geistige Verwandlung: die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Verwesenden und des Todes in Mensch und Natur, die eben der Möglichkeit einer Dauer des Relativen im Absoluten nachsinnt, einer Durch-Lichtung des  Farb- und Formwandels der Natur. Diese letzte Formulierung weist ausdrücklich darauf hin, daß Pedit keineswegs literarische oder philosophische Inhalte vorweisen oder illustrieren will, sondern die Einheit des Menschen mit der Natur mit dem Menschen, konkreter des menschlichen Geistes mit einer Natur, die er durch die sinnliche Empfänglichkeit seines Körpers für Farbe und Form verbunden ist, in Farbmaterial und Formenwelt übersetzt und gerade dadurch den neutralistischen Entwicklungs- und ihm antwortenden Empfindungsstrom durchlichtet. Man muß dem Licht in diesen Bildern und Farben nachgehen, um die Transparenz und Transzendenz dieser Landschaften zu empfinden.

 


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