01. März 2001
Den Haag

Angeregt durch persönliche Einblicke in Schicksale betroffener Menschen, wurde ich mit meiner eigenen bequemen Gleichgültigkeit und Ignoranz konfrontiert.
Beschämung und, bei weiterer Befassung mir den Ereignissen, die Absicht, Täter und Verursacher bloßzustellen, haben mich zu dieser Arbeit getrieben. Nach immer gründlicherer Auseinandersetzung trat diese Motivation zurück.

Trauer und der Wunsch, der diesen unfassbaren Ereignissen unterworfenen Menschen im Bild zu gedenken, ihr Würde u wahren, ihren Schmerz, ihre Verzweiflung, ihre Tapferkeit und Gewissensnot zu zeigen und damit an das Verantwortungsgefühl politisch Gestaltender für die unmittelbare Zukunft zu appellieren, wurde zum alles bildnerische Bemühen überlagernden Inhalt.

Mein Leben wurde von den großen Massenindeologien und der Pest des Nationalismus begleitet. Dies ist eine Tatsache!

Das eigentliche Problem ist jedoch die Verfügbarkeit des Menschen, die immer auf´s Neue skrupellos zur Machterringung politisch genutzt wird. Wir müssen uns fragen, ob wir dieser Erbsünde politischen Agierens mit Festigkeit und Nachdruck widerstehen, oder ob wir uns zu unserem eigenen Nachteil, ja unserem Verhängnis benutzen lassen. Wir müssen uns fragen, ob wir an der Wahrheit überhaupt interessiert sind.

Ich frage mich, ob wir dien Ungeist der pauschalen Diffamierung, der pauschalen Verächtlichmachung anderen Menschen wirklich mit Festigkeit widerstehen, ob wir bereit sind unter Ausklammerung eigener Interessen zumindest die Faktenwahrheit anzuerkennen, ja, ob wir überhaupt bereit sind, uns zu informieren, uns um ein Verständnis der Zusammenhänge zu bemühen. 

Dies gilt für uns alle. Unabhängig davon, ob wir in Westeuropa, im Amerika – wo immer auf der Welt, oder hier in Bosnien leben.
Die Wahrheit ist unverzichtbar! Nur aus ihr kann Einsicht  der Täter und Berzeihung der Opfer erwachsen – die Voraussetzung für Frieden.
Die Sehnsucht des Menschen nach Gerechtigkeit klingt verloren ins All.

Die Unendlichkeit und Ewigkeit des Existenten, das sich durch die Wesenseinheit von Licht, Energie und Materie im ewigen Wandel ausdrückt, bringt uns das Erlebnis der Herrlichkeit, in der wir geborgen sind.

- Hermann Pedit


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